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Interview mit dem Vorstand

INTERVIEW MIT DEM VORSTAND

Dr. Marie-Luise Wolff

ist seit dem 1. Juli 2013 Vorstandsvorsitzende der ENTEGA AG. Sie ist im nordrhein-westfälischen Doveren geboren, studierte Anglistik und Musikwissenschaften in Deutschland, England und den USA. Ihre berufliche Laufbahn begann sie 1987 in der Unternehmenskommunikation der Bayer AG. 1988 wechselte sie zu Sony Deutschland, wurde 1991 Marketingleiterin. 1996 übernahm sie die Leitung der Unternehmenskommunikation bei der Veba AG, einem Vorgängerunternehmen von E.ON, wo sie 2006 Geschäftsführerin der Vertriebsgesellschaft E WIE EINFACH wurde. Von 2009 bis Juni 2013 war Dr. Wolff Vorstand der Mainova AG. Von dort wechselte sie nach Darmstadt zur ENTEGA.

Albrecht Förster

hat viele Jahre als Leiter des Finanz- und Rechnungswesens im Unternehmen gearbeitet, war später Generalbevollmächtigter, bevor er 2015 vom Aufsichtsrat zum Finanzvorstand der ENTEGA AG berufen wurde. Das war kein Automatismus. Dass die Wahl auf einen erfahrenen Kollegen aus dem eigenen Haus fiel, wurde allerdings von vielen im Unternehmen begrüßt. Albrecht Förster ist verheiratet und Vater von drei Söhnen. Er wohnt in Frankfurt.

Andreas Niedermaier

ist seit 2010 Personalvorstand der ENTEGA AG. Der Aufsichtsrat verlängerte seine Amtszeit bis 2020. 1980 lernte er bei der Firma Nohl in Pfungstadt Heizungs- und Lüftungsbauer, absolvierte die Meisterprüfung. Seit 2000 bekleidete er verschiedene Funktionen als Arbeitnehmervertreter. Zuletzt war er von 2007 bis zu seiner Berufung in den Vorstand 2010 Konzernbetriebsratsvorsitzender. Andreas Niedermaier ist im Otzberger Ortsteil Lengfeld geboren, ist verheiratet, hat zwei Söhne und lebt im Groß-Umstädter Stadtteil Wiebelsbach.

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Dr. Marie-Luise Wolff
Vorsitzende des Vorstands
Albrecht Förster
Vorstand Finanzen
Andreas Niedermaier
Vorstand Personal und Infrastruktur

Reif für die digitale Zukunft

Frau Dr. Wolff,
Roboter, selbstfahrende Autos oder künstliche Intelligenz – das alles ist Digitalisierung. Wieso beginnt für ENTEGA die neue Zeit auch unter der Erde?

Wir treiben die Digitalisierung zurzeit in allen Bereichen des Unternehmens mit Hochdruck voran. Dazu gehört vor allem, unsere Netze noch smarter zu machen – und so auch diese Verbindung zu unseren Kunden weiter zu verbessern. Dazu bauen wir gerade unser 2.000 Kilometer langes Glasfasernetz in der Region weiter aus.

Warum genau bietet ENTEGA einen Zugang zum Glaserfasernetz an?

Weil wir unsere Kunden bereits mit Energie versorgen, sind wir der natürliche Ansprechpartner auch bei allen weiterführenden Fragen. Denn ob Strom, Gas oder Internet – nur einen Anbieter für alle „Netze“ zu haben, ist bequem und macht Sinn. Dem vernetzten Denken gehört die Zukunft. Das gilt für unsere Kunden ebenso wie für ENTEGA. Denn wir bei ENTEGA haben durch die Versorgung mit Energie bereits eine wertvolle Schnittstelle zum Kunden. Diese müssen wir jetzt aber noch ausbauen, denn genau auf diese Kundenschnittstelle haben es die neuen Wettbewerber aus der digitalen Welt abgesehen. Deshalb setzen wir alles daran, unseren Vorsprung zu verteidigen und zu vergrößern.

Wie wollen Sie das konkret erreichen?

Indem wir schon jetzt an die Zukunft denken – und handeln. ENTEGA wird in Zukunft daher bei jeder Baumaßnahme und bei jeder Erschließung von Baugebieten neben Strom und Gas auch gleichzeitig Glasfaser verlegen. Dann können wir digital konfigurierbare Bündelangebote mit Strom, Gas, Wasser, Breitband, Sicherheit, Smart Home und vieles mehr bereitstellen. Aus diesem Bündel von Angeboten kann der Kunde dann einfach und bequem sein individuelles Wunschpaket konfigurieren – und zwar genau bei und mit dem Partner, den er kennt und dem er vertraut.

„Wir haben unsere vertriebliche Schlagkraft deutlich gestärkt.“

Dr. Marie-Luise Wolff,
Vorsitzende des Vorstands

Herr Förster,
wie viel investiert ENTEGA in dieses Projekt?

Wir investieren rund 30 Millionen Euro. Und das ist gut angelegtes Geld. Wir sind fest überzeugt, damit ein echtes Kundenbedürfnis zu befriedigen und gleichzeitig den Boden für leistungsfähige und kommunikationsfähige Gas- und Stromzähler und andere digitale Gebrauchsgegenstände zu ebnen. Ein vernetzter Fernseher ist heute zum Beispiel doch schon fast Normalität. Und immer mehr Maschinen und Gebrauchsgegenstände werden künftig mit dem Internet verbunden sein. Das alles erfordert aber immer mehr Bandbreite.

„Wir sind fest überzeugt, mit dieser Investition ein echtes Kundenbedürfnis zu befriedigen.“

Albrecht Förster,
Vorstand Finanzen

Frau Dr. Wolff,
mit dem vernetzten Fernseher und anderen kommunikationsfähigen Gegenständen sind wir beim „Internet of Things“. Inwieweit ist ENTEGA von dieser Entwicklung betroffen?

Das Internet of Things wird unser Leben noch massiv verändern. Und das hat auch Auswirkungen auf die Energiebranche. Wenn künftig Energieerzeuger und Energieverbraucher durch eine Datenleitung miteinander verbunden sind oder Stromverbraucher selbst zu Stromerzeugern werden, erhalten diese direkten Zugang zum Energiemarkt oder werden ein Teil davon. Je intelligenter die Systeme dabei werden, umso stärker stellen Kunden oder Konkurrenten die Rolle der klassischen Energieversorger infrage. Unser Ziel muss es daher sein, selbst Teil des neuen Ökosystems des Internets der Dinge zu werden.

Was braucht es, damit ENTEGA ein solcher Teil wird?

Big Data Intelligence ist hier das Stichwort. Das hört sich kompliziert an, bedeutet aber im Grunde nur: Wir bekommen immer mehr Daten, müssen diese dann aber auch klug und verantwortungsvoll auswerten und im Sinne unserer Kunden vernünftig nutzen. Wir verfügen heute schon über viele Daten. Mit den Entwicklungen bei intelligenten Stromnetzen und intelligenten Gas- oder Stromzählern werden es in Zukunft aber immer mehr. Ich bin sicher: Die Analyse von Big Data kann die Energieversorgung weiter optimieren, die Energieeffizienz verbessern und die Kundenbindung stärken. Dabei können wir sehr viel von Software-Giganten wie Google & Co. lernen.

Die Digitalisierung ist schon heute allgegenwärtig. Ist ENTEGA für die digitale Zukunft bereit?

Wir haben ein ehrgeiziges Ziel: Wir wollen in wenigen Jahren zu den führenden digitalen Energieversorgern gehören. Dafür erarbeiten wir derzeit unsere digitale Agenda. Die detaillierte Ausarbeitung ist nicht abgeschlossen, aber die Grundzüge stehen schon und einige Dinge setzen wir heute schon erfolgreich um.

Welche Dinge sind das zum Beispiel?

Wir digitalisieren konsequent unsere Geschäftsprozesse und die Kundenkommunikation. Dadurch werden wir schneller, kosteneffizienter und können besser auf die Bedürfnisse unserer Kunden eingehen.

Wie wollen Sie die Produktseite digitalisieren?

Wir bringen gemeinsam mit Partnern innovative Produkte auf den Markt oder bedienen uns bestehender Plattformen. Wir haben bereits Kooperationen mit Partnern wie Qivicon oder Tado geschlossen. Mit diesen Partnern haben wir Produkte für das vernetzte Zuhause auf den Weg gebracht – wir sprechen hier von Smart Home. Und beim Verkauf von Contracting-Produkten – beispielsweise, wenn wir ganze Heizungs- oder Photovoltaikanlagen an unsere Kunden verpachten – setzen wir auf eine technische Plattform des Stadtwerkeverbundes Trianel. Nicht zuletzt ermöglicht unser ENTEGA-Energiemanagementportal für Unternehmen bereits die Analyse und Visualisierung von Energieflüssen und Energieverbräuchen von Liegenschaften oder Anlagen.

Herr Niedermaier,
wie macht sich das Unternehmen intern fit für die Herausforderungen der Energiewende und der Digitalisierung?

Ob wir wollen oder nicht, wir sind Teil der digitalen Welt. Diese aber ist komplett anders getaktet. Und darauf müssen wir uns einstellen, auch mental. Wir brauchen im gesamten Unternehmen daher einen Kulturwandel. Wir alle müssen noch schneller werden, offener, risikofreudiger und veränderungswilliger – den Vorstand und die Führungsebenen schließe ich da ausdrücklich mit ein. Ganz wichtig ist uns, ein neues Denken zu etablieren. Wir müssen nicht den Nerds aus dem Silicon Valley nacheifern – aber wir alle müssen unternehmerischer, noch kundenorientierter denken. Auch wir brauchen eine Art von Gründungskultur, die zu uns passt und die offener ist für neue Ideen. Die Zeit des reflexhaften „Ja, aber“ – sie ist vorbei!

„Wir brauchen einen Kulturwandel. Wir alle müssen noch schneller werden, offener, risikofreudiger und veränderungswilliger.“

Andreas Niedermaier,
Vorstand Personal und Infrastruktur

Frau Dr. Wolff,
welches Ziel verfolgen Sie in diesem Zusammenhang mit der Gründung des „Pioneer Fund zur Förderung von Innovationen“?

Die Gründung des Funds mit der Technischen Universität Darmstadt ist ein erstes Beispiel dafür, wie wir Innovationen fördern. Mit jährlich 600.000 Euro werden hochschulnahe Start-ups unterstützt, um schnell Forschungsergebnisse in innovative Produkte zu überführen, die uns dann helfen, die Ziele der Energiewende zu erreichen.

Das ist eine von vielen Maßnahmen. Wie wollen Sie den Kulturwandel zu mehr Unternehmertum und mehr Innovation noch umsetzen?

Wir fördern den Kulturwandel unter anderem dadurch, dass wir neue, agile Methoden einführen, mit denen wir Prozesse beschleunigen können. Und wir arbeiten immer stärker abteilungsübergreifend und interdisziplinär zusammen. Davon profitiert das ganze Unternehmen, weil wir bestehende Potenziale besser nutzen. Was in der einen Abteilung richtig ist, kann ja auch für einen ganz anderen Bereich sinnvoll sein. Aber wir benötigen dazu auch die richtigen Strukturen: Wir werden also ein gezieltes Agilitätsmanagement einführen, agile Methoden lehren, Räume und Werkzeugkoffer zur Verfügung stellen und Ideenwettbewerbe ausrufen. Außerdem haben wir unsere Digitalisierungsstrategie im neu strukturierten Bereich der Unternehmensentwicklung bereits gebündelt.

Frau Dr. Wolff,
was ist die Aufgabe dieses neuen Bereiches?

Kurz gesagt: das gesamte Innovations- und Ideenmanagement des Unternehmens zu verbessern. Das oberste Ziel des Teams unter der Leitung von Artur Mertens und René Sturm ist es, die Anzahl konkreter Wachstumsideen und Innovationen zu steigern. So wollen wir weiteres Wachstum generieren – vor allem für smarte Geschäftsmodelle und neue Servicedienstleistungen. Dazu bringen wir interdisziplinär besetzte Teams aus allen Unternehmensteilen zusammen. Diese Teams sollen Kundenwünsche analysieren und auf dieser Basis Produktentwürfe oder Prototypen entwickeln und am Markt testen.

Herr Niedermaier,
Transformation geht vor allem von der Führung aus. Wie bereiten Sie die Führungsebene auf die neue Kultur vor?

Das ist richtig. Wir können in der digitalen Zukunft nur erfolgreich sein, wenn die notwendigen Veränderungen auf allen Ebenen gelebt und mitgetragen werden. Dafür machen wir uns weiter stark. Wir wollen weg von den Top-down-Entscheidungsstrukturen und hin zu einem „Empowerment“, also mehr Eigenverantwortung und Selbstermächtigung auf allen Ebenen des Konzerns. 2016 haben wir in diese Kulturentwicklung schon mehr als 1.000 Personentage unseres Führungskreises investiert.

Welche Erkenntnisse konnten Sie daraus gewinnen?

Die Führungskräfte der ENTEGA haben gemeinsame Leitlinien und einen Verhaltenskodex entwickelt. Die Leitlinien beschreiben das Verständnis im Führen der Mitarbeiter. Der Kodex beschreibt die Art und Weise, wie die Führungskräfte miteinander umgehen wollen.

Hat die Mitarbeiterbefragung Aufschluss darüber gegeben, wie weit die tatsächlich erlebte Führung von diesem Ideal abweicht?

Die Führungskräfte haben gute Noten dafür bekommen, dass sie sich Zeit für ihre Mitarbeitenden nehmen, mit diesen auf Augenhöhe kommunizieren und sie gemäß ihrer individuellen Stärken einsetzen. Aber die Befragung hat ebenso gezeigt, dass sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eine größere Wertschätzung und noch mehr Rückmeldungen zu ihrer Arbeitsleistung und ihren Entwicklungsmöglichkeiten wünschen.

Frau Dr. Wolff,
was sind die wichtigsten Erkenntnisse, die der Vorstand aus der Befragung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gezogen hat?

Wir nehmen die Ergebnisse sehr ernst und haben im vergangenen Jahr zahlreiche Handlungsfelder identifiziert, an denen in nächster Zeit kräftig gearbeitet wird. Dies betrifft beispielsweise eine zeitnähere und transparentere Kommunikation, eine offenere Ansprache der individuellen Karrierewege und die Verbesserung der bereichs- und firmenübergreifenden Zusammenarbeit.

„Aufgabe der Unternehmensentwicklung ist es, das gesamte Innovations- und Ideenmanagement des Unternehmens zu verbessern.“

Dr. Marie-Luise Wolff,
Vorsitzende des Vorstands

Herr Niedermaier,
wie sieht die weitere Personalstrategie bis 2020 aus?

Wir werden uns 2017 an einen Tisch setzen und ein Konzept für die Zeit nach 2018 erarbeiten. Angesichts der Herausforderungen, die der demografische Wandel und der drohende Fachkräftemangel mit sich bringen, ist es unser erklärtes Ziel, uns als attraktiver Arbeitgeber zu positionieren und die Mitarbeiter noch stärker an uns zu binden. Dafür werden wir unter anderem neue, flexiblere, lebensphasenorientierte Arbeitszeitmodelle einführen.

Frau Dr. Wolff,
demografischer Wandel und Fachkräftemangel sind gewaltige Herausforderungen, ebenso wie die Energiewende. Wie begegnet ENTEGA der Energiewende generell?

ENTEGA hat ihre Unternehmensstrategie als eines der ersten Energieunternehmen konsequent am Ziel einer nachhaltigen und effizienten Energieversorgung ausgerichtet. Und im letzten Jahr ging der Windpark Hausfirste ans Netz – damit hat ENTEGA nun Windenergieanlagen sowohl an Land als auch auf hoher See mit einer Gesamtleistung von 250 Megawatt in ihrem Management. Damit können pro Jahr rund 700.000 Megawattstunden Strom erzeugt werden – genug für 230.000 Haushalte. Und: Zugleich senken wir den CO2-Ausstoß um 520.000 Tonnen!

Herr Förster,
Warum setzt ENTEGA eigentlich hauptsächlich auf Windenergie?

Effizienter geht es einfach nicht. Zudem hat ENTEGA für die Planung von Windparks ausgewiesene Experten und ist in diesem Bereich sehr schlank aufgestellt. Damit wird eine hohe Wertschöpfungstiefe erreicht und die Rentabilität unserer Investitionen erhöht sich. Zwar müssen zunächst die Investitionen finanziert werden, aber mit einer garantierten Einspeisevergütung von bis zu 20 Jahren gibt es Planungssicherheit. Und langfristig kommt richtig Geld in die Kasse, denn der reine Antrieb der Windräder ist kostenfrei.

„Wir sind bei der Erreichung unserer Finanzziele auf einem guten Weg.“

Albrecht Förster,
Vorstand Finanzen

Frau Dr. Wolff,
zum guten Schluss: Wie haben sich die finanziellen Ziele entwickelt?

Wir haben 2016 das bereits gute Jahresergebnis des Jahres 2015 nochmals übertroffen. Damit sind wir insgesamt bei der Erreichung unserer Finanzziele auf einem guten Weg. Wir haben die Eigenkapitalquote gestärkt und den Verschuldungsgrad verbessert. Eine besondere Herausforderung steht uns jedoch ab 2019 bevor, wenn auslaufende Darlehen refinanziert werden müssen. Das bedeutet insgesamt, dass wir weiterhin auf eine gute Kostendisziplin achten müssen.