AUSZUG KONZERNLAGEBERICHT

Rahmenbedingungen

Die Bundesregierung erteilte im Jahr 2016 dem von Teilen der Energiewirtschaft geforderten Kapazitätsmarkt eine klare Absage und setzt stattdessen auf die Regelungskraft des Marktes (Energy-only-Markt). Trotzdem finden sich im Strommarktgesetz mit Kapazitäts-, Netz- und Klimareserve verschiedene Regelungen, um den Energiemarkt fit zu machen für den wachsenden Anteil volatilen Stromes aus erneuerbaren Energien. Im Einzelnen sieht die ENTEGA AG allerdings nach wie vor einen erheblichen Nachbesserungsbedarf, insbesondere bei der Bemessung einer „angemessenen Vergütung“ für Reservekraftwerke.

Mit der Reform des EEG hat die Politik einen Paradigmenwechsel vollzogen. Statt wie bisher die Einspeisevergütung für erneuerbaren Strom staatlich festzulegen, wird die Höhe der Vergütung zukünftig durch Ausschreibungen am Markt ermittelt. Wie stark der Ausbau für jeden einzelnen Energieträger ausfallen soll, wird über definierte Ausschreibungsvolumina gesteuert.

Beim Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende steht die Einführung intelligenter Messsysteme im Vordergrund. Ziel ist es, die immer größer werdende Zahl an dezentralen Stromerzeugern mit den großen Verbrauchern intelligent zu verbinden. Schritt für Schritt werden ab 2017 die intelligenten Zähler bei Großverbrauchern installiert. Ab 2020 folgen Privathaushalte mit einem Jahresstromverbrauch über 6.000 kWh.

Die Brutto-Stromerzeugung stieg in Deutschland im Vorjahresvergleich um 0,2 %, der Brutto-Inlandsstromverbrauch sank um 0,4 %. Der Strompreis ist auch im Jahr 2016 weiter gefallen, am Terminmarkt erholten sich die Preise erst gegen Jahresende wegen Kernkraftwerksausfällen in Frankreich und gestiegener Kohlepreise wieder. So lagen die Future-Preise für Stromlieferungen Ende des abgelaufenen Jahres für 2017 bei 34 Euro/MWh und für die Jahre 2018 bis 2019 bei rund 30 Euro/MWh. Der durchschnittliche Haushaltsstrompreis stieg 2016 gegenüber dem Vorjahr von 28,70 ct/kWh auf 28,80 ct/kWh leicht an. Der Erdgasverbrauch in Deutschland ist im Jahr 2016 witterungsbedingt um 9,5 % gegenüber dem Vorjahr gestiegen bei leicht gesunkenen Preisen für Haushaltskunden.

Geschäftsverlauf

Auch 2016 wurde die bereits im Jahr 2013 begonnene Vorwärtsstrategie weiterverfolgt. Die für dieses Jahr vorgesehenen Ziele der Vorwärtsstrategie sind vollumfänglich erreicht worden. Des Weiteren war das Geschäftsjahr geprägt von einer Ausrichtung des Konzerns auf die Chancen und Herausforderungen der zunehmenden Digitalisierung über alle Geschäftsfelder hinweg.

Im Geschäftsfeld Erzeugung wurden Wachstumspotenziale im Bereich der erneuerbaren Energien weiter genutzt. Der Windpark Hausfirste im Kaufunger Wald (Nordhessen) mit seinen zehn Windenergieanlagen und einer Gesamtleistung von 30 MW wurde im Dezember 2016 in Betrieb genommen. Parallel wurden durch Transaktionen mit konzernfremden Investoren Projektrenditen frühzeitig vereinnahmt. So erfolgte 2016 die Veräußerung von je 51 % der Anteile an drei Solarparks und einem Windpark an eine Kapitalverwaltungsgesellschaft. Durch diese Kombination von Ausbau und De-Leveraging können die nötigen Investitionen in die Energiewende erreicht werden, ohne die Finanzierungsstruktur des Konzerns weiter zu belasten.

Im Geschäftsfeld Vertrieb ist es im Geschäftsjahr 2016 gelungen, sich in einem mehr als herausfordernden Marktumfeld weiter erfolgreich zu behaupten. Dies gelingt unter anderem durch eine weitere Fokussierung und Stärkung der bereits seit 2013 eingeschlagenen Strategie der Konzentration auf das Stammgebiet (Rhein-Main-Neckar-Gebiet) sowie die selektive Nutzung attraktiver Vertriebschancen darüber hinaus. Auch das Erreichen und Halten günstiger Preise für den Endkunden im Strom- und Gasvertrieb trugen neben der Fortführung der Treuekampagne aus dem Vorjahr sowie aktiver Kundenberatung zu Tarifwechselmöglichkeiten zu einer erneuten Steigerung des Kundenbindungsindexes bei. Nachdem dieser Index im Jahr 2014 mit 75,6 Punkten erstmals in den Fokus gerückt wurde, konnten nach der Verbesserung auf 78,5 im Jahr 2015 nun sogar 80,0 Punkte erreicht werden. Auch die Akquisen konnten im Jahr 2016 deutlich gesteigert werden. Hier führten der Einstieg in den bundesweiten Heizstrommarkt, die Intensivierung der Onlinemaßnahmen und die Kooperation mit der ProSiebenSat.1 Media SE unter der neuen Marke „SimplyGreen“ zu einer erfreulichen Entwicklung. Daneben konnten vor allem im zweiten Halbjahr die Vertriebsmaßnahmen im Energiedienstleistungsbereich gesteigert werden. Im Bereich Telekommunikation, der ebenfalls dem Geschäftsfeld Vertrieb zugerechnet wird, war das Geschäftsjahr 2016 von der Umsetzung der Ende 2015 initiierten strategischen Neuausrichtung geprägt.

Im Geschäftsfeld Netze zeigt sich die zunehmende Digitalisierung insbesondere in den Vorbereitungen für die geplante Integration intelligenter Messsysteme („Smart-Meter-Rollout“). Hierzu wurden im Berichtsjahr bereits die ersten Maßnahmen ergriffen, um die weitere Umsetzung in den nächsten Jahren zu gewährleisten.

Auch die IT wurde vor dem Hintergrund der Digitalisierung organisatorisch neu aufgestellt. Während sich das IT-Basisgeschäft (stabiler Kern) an den Zielen der Stabilität, Verlässlichkeit und dem Preis-Leistungs-Verhältnis messen lässt, soll der Fachbereich New Technologies Solutions (agiler Kern) den immer schnelleren Innovations- und Entwicklungszyklen gerecht werden durch eine Fokussierung auf Agilität und Geschwindigkeit.

Darstellung der Lage des Konzerns

Beim Stromabsatz konnte 2016 die an Endkunden gelieferte Menge erneut leicht auf 6,5 Mrd. kWh gesteigert werden (Vorjahr 6,3 Mrd. kWh). Der Gasabsatz an Endkunden belief sich auf 4,4 Mrd. kWh und lag damit annähernd auf dem Niveau des Vorjahres mit 4,3 Mrd. kWh. Im Großhandelsbereich wurden die Mengen hingegen weiter planmäßig reduziert von 2,5 Mrd. kWh auf 2,3 Mrd. kWh im Bereich Strom und von 0,32 Mrd. kWh auf 0,25 Mrd. kWh im Bereich Gas.

Der ENTEGA-Konzern generierte im Geschäftsjahr 2016 eine Gesamtleistung von 1.585,4 Mio. Euro (+0,1 %). In der nur geringfügigen Abweichung zum Vorjahr gleichen sich der Rückgang der Umsatzerlöse durch die Entkonsolidierung von einer Wind- und drei Solarparkgesellschaften sowie durch den mengengetriebenen Rückgang der Handelsumsätze mit den gestiegenen Erträgen aus Bestandsveränderungen und den höheren Umsätzen im Energievertrieb und den Netzen annähernd gegenseitig aus.

Der Rohertrag sank im Jahresvergleich um 6,9 Mio. Euro bzw. 2,0 % auf 339,5 Mio. Euro. Bereinigt man diese Kennzahl allerdings um den auf die entkonsolidierten Wind- und Solarparkgesellschaften entfallenden Teilbetrag von 12,8 Mio. Euro, so ergibt sich ein leichter Anstieg von 5,9 Mio. Euro, was annähernd den Erträgen in Höhe von 6,0 Mio. Euro entspricht, die durch die erstmalige Anwendung des BilRUG erstmals in den Umsätzen gezeigt werden.

Die sonstigen betrieblichen Erträge in Höhe von 32,7 Mio. Euro (Vorjahr 54,3 Mio. Euro) sind in beiden Jahren stark von Einmaleffekten geprägt. Insgesamt ist das Niveau entlastender Einmaleffekte aus Zuschreibungen, Verkäufen und Rückstellungsauflösungen planmäßig rückläufig.

Die Personalaufwendungen sanken im Vergleich zum Vorjahr um 15,0 %. Dies ist im Wesentlichen auf das Ansteigen des Zinssatzes für die Abzinsung der Pensionsrückstellungen zurückzuführen. Die Abschreibungen liegen um 15,3 % unter dem Niveau des Vorjahres, was hauptsächlich aus der Entkonsolidierung der Wind- und Solarparkgesellschaften resultiert. Die sonstigen betrieblichen Aufwendungen sanken u. a. durch Einsparungen in den Bereichen IT, Miete und Werbung sowie aufgrund höheren Zuführungen zu Rückstellungen im Vorjahr um 8,5 %.

Das Beteiligungsergebnis als Summe der Erträge aus Beteiligungen und Ausleihungen sowie dem Aufwand aus der Abwertung derselben hat sich mit einem Saldo von –3,1 Mio. Euro deutlich verschlechtert im Vergleich zum Vorjahreswert von 11,1 Mio. Euro. Ursächlich hierfür ist, dass in beiden Geschäftsjahren Abwertungen auf Beteiligungen im Bereich der regenerativen Erzeugung vorgenommen wurden, die allerdings im Jahr 2016 um 14,6 Mio. Euro höher ausfielen.

In diesem Jahr erwirtschaftete der ENTEGA-Konzern somit ein EBIT von 74,0 Mio. Euro und erreicht damit deutlich mehr als den um die Effekte des BilRUG bereinigten Planwerts von 70,2 Mio. Euro.

Unterhalb der EBIT-Linie wirkt sich vor allem die Verbesserung des Zinsergebnisses um 11,4 % durch die Entkonsolidierung der Wind- und Solarparkgesellschaften positiv aus.

Das Konzernergebnis liegt mit 22,3 Mio. Euro um 3,9 Mio. Euro bzw. 21,1 % über dem Vorjahreswert. Nach den von einigen Aspekten der Energiewende belasteten Ergebnissen in den Jahren 2012 und 2013 sowie dem von der Restrukturierung geprägten Jahr 2014 zeigt sich nun die Nachhaltigkeit des positiven Ergebnistrends. Der ENTEGA-Konzern hat den turn-around erfolgreich gemeistert.

Das Konzerneigenkapital erhöhte sich vor allem durch das positive Konzernergebnis des Geschäftsjahres 2016 sowie die anteilige Thesaurierung des Vorjahresüberschusses um 7,2 % auf 79,4 Mio. Euro. Die wirtschaftliche Konzerneigenkapitalquote steigt dadurch im Jahresvergleich unter Berücksichtigung von 70 % der Sonderposten für unentgeltlich ausgegebene Emissionsrechte und empfangene Investitionszuschüsse von 8,4 % auf 9,0 %.

Ausblick

Das Jahr 2017 wird für die Energiewirtschaft durch sehr unterschiedliche Faktoren beeinflusst werden. Allen voran die Fortsetzung der Energiewende und die in Teilen eingeleitete Dekarbonisierung der wirtschaftlichen Prozesse. Die 2015 in Paris beschlossenen und 2016 in Marrakesch ratifizierten Klimaschutzziele werden nach und nach in nationales Recht umgesetzt. Absehbar ist, dass zukünftig neben dem Stromsektor auch die Sektoren Industrie, Wärme und Verkehr einen stärkeren Beitrag zum Klimaschutz leisten müssen. Wie sich die im EEG 2017 festgelegten Ausschreibungsregeln mittelfristig auswirken werden, ist derzeit noch nicht absehbar.

Auch zukünftig muss im Strom- und Gasmarkt mit niedrigen Großhandelspreisen gerechnet werden bei gleichzeitig rückläufigen Mengen durch immer strengere Dämmstandards und Erfolge bei den energetischen Sanierungsmaßnahmen.

Der zweite große Trend ist die fortschreitende Digitalisierung. Die Bundesregierung hat sich hier das Ziel gesetzt, Deutschland zu einem der Spitzenreiter bei der digitalen Infrastruktur zu machen. Dieser Ausbau bietet Energieversorgern die Chance, neue, innovative Produkte anzubieten und so die Kundenbindung zu vertiefen.

Der ENTEGA-Konzern sieht sich vor dem Hintergrund der rahmenwirtschaftlichen Entwicklungen auch in den kommenden Geschäftsjahren weiterhin vor großen strategischen Herausforderungen und Aufgaben, deren Bewältigung bzw. konsequente Umsetzung zu einer Steigerung der Ertragskraft des Konzerns führen werden. Insbesondere die Maßnahmen, die im Rahmen der Vorwärtsstrategie definiert wurden, werden weiter verfolgt und nach positiven Effekten im abgeschlossenen Geschäftsjahr auch im Jahr 2017 weitere positive Ergebniseffekte erzielen.

Im Geschäftsfeld Erzeugung werden auch im Jahr 2017 die Einsatzmöglichkeiten der Gaskraftwerke im Mittelpunkt stehen. Die regenerative Energieerzeugung soll derweil weiter durch die Entwicklung vielversprechender On-Shore-Standorte ausgebaut werden. Konkret ist die Inbetriebnahme des Windparks in Wald-Michelbach für das Jahr 2017 geplant. Im Rahmen der Ausrichtung auf ausschließlich inländische Standorte ist zudem der Verkauf der verbleibenden drei französischen Windparkgesellschaften für 2017 geplant.

Die erfolgreiche Ausrichtung im Energievertrieb als der zuverlässige und engagierte Topanbieter vor Ort wird 2017 kontinuierlich fortgesetzt. Insbesondere werden die wertorientierte Neukundengewinnung und -bindung sowie der „make it easy“-Ansatz die Kundenbetreuung prägen. Zusätzlich wird der Ausbau des Energiedienstleistungsbereiches als neuer Geschäftszweig kontinuierlich vorangetrieben und Bundle-Produkte im Bereich Telekommunikation Kosten- und Convenience-Vorteile für ENTEGA-Kunden entstehen lassen. Hierfür ist u. a. die Zusammenführung der ENTEGA-Energie- und Medianet-Website im Jahr 2017 für einen gemeinsamen Marktauftritt vorgesehen.

Für das Geschäftsfeld Netze steht in der Zukunft insbesondere die Anpassung an veränderte regulatorische Rahmenbedingungen im Fokus. Ein weiterer Schwerpunkt wird die Planung und Durchführung des „Smart-Meter-Rollouts“ sein.

Die Konzernumsatzerlöse werden sich im Geschäftsjahr 2017 voraussichtlich auf rund 1,5 Mrd. Euro belaufen. Aufgrund der Belastungen aus dem wieder sinkenden Abzinsungssatz für Pensionsrückstellungen und den auf vergleichbarem Niveau liegenden Effekten aus langfristigen Strombezugsverträgen wird für das EBIT ein Rückgang auf 66,6 Mio. Euro erwartet. Der Jahresüberschuss wird mit einem Wert leicht über 20 Mio. Euro den erreichten turnaround bestätigen.