AN UNSERE
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Vorwort von Dr. Marie-Luise Wolff
VORWORT
DR. MARIE-LUISE WOLFF

Verehrte Aktionäre, sehr geehrte Geschäftspartner,
liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter,

wie „historisch“ ist die eigene Zeit? Ich kann mich noch gut an meine Schul- und Studienjahre erinnern. Damals hatte ich immer den Eindruck: In den Jahrzehnten und Jahrhunderten vor mir waren die Zeiten lebendiger. Spannender.

Spätestens seit dem vergangenen Jahr sehe ich das anders und bin mir gleichzeitig sicher: Auf die Zeitzeugenschaft einer Pandemie von historischem Ausmaß hätte ich gerne verzichtet. Die weltumspannenden Folgen einer Virusinfektion stellen uns vor ernste medizinische, aber auch vor gesellschaftliche und wirtschaftliche Herausforderungen. Wie unter einem Brennglas werden schon zuvor bestehende Konflikte noch deutlich sichtbarer: soziale Ungleichheiten etwa, wenn man an die Verteilung der Impfstoffe auf der Welt denkt, aber auch im Blick auf die Situation im eigenen Land. Je geringer die Einkommen, desto höher sind die prozentualen Einkommenseinbußen.

Und auch in der Klimadebatte hinterlässt das Virus seine Spuren. Während sich die einen ganz grundsätzlich bestätigt sehen in ihrer Kritik an Konsum und Wachstum, müssen sich die anderen um ihre wirtschaftliche Existenz so sehr sorgen, dass ihnen Klimaschutz plötzlich als Luxusproblem erscheint. Die Politik gerät bei all dem (mindestens) an die Grenzen ihrer Steuerungsfähigkeit, während sich auf den Straßen und Social-Media-Kanälen besorgte Bürger und sogenannte Querdenker in den Haaren liegen.

Gleichzeitig entstehen – allen Spaltungstendenzen zum Trotz – neue Gemeinsamkeiten und neue Verbindungen. Nachbarn helfen einander, Bürgerinitiativen unterstützen die Gastronomie in ihrem Stadtviertel und Freiwillige helfen in Heimen oder Krankenhäusern. Sie alle machen damit deutlich, worauf es ankommt, damit ein System auch unter Krisenbedingungen funktionsfähig bleibt: auf Nähe. Wo sie physisch fehlt, wird sie virtuell hergestellt, so gut es eben geht; und wo sie uns tatsächlich verloren geht, da macht uns die Pandemie besonders zu schaffen: bei den Alten und Kranken, die nicht besucht werden können, oder in der Betreuung von Kindern und Jugendlichen. Aber auch im beruflichen Kontext fehlt uns der persönliche Austausch an allen Ecken und Enden.

,,Auf die Zeitzeugenschaft einer Pandemie von historischem Ausmaß hätte ich gerne verzichtet."
Dr. Marie-Luise Wolff Dr. Marie Wolff
Vorsitzende des Vorstandes

Das gilt natürlich auch für ENTEGA, und deshalb widmen wir den Geschäftsbericht des Pandemiejahres 2020 dem Thema „Nähe“. Denn: Nicht nur die zwischenmenschlichen Erfahrungen, auch die Ergebnisse des zurückliegenden Jahres zeigen: Ohne das Konzept der Nähe wäre unser Geschäftsmodell unvorstellbar.

Da sind zum einen die 2.074 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Die allermeisten von ihnen haben weite Teile des Jahres, ebenso wie den Jahresbeginn 2021, im Homeoffice verbracht – ohne dass dies in puncto Produktivität oder Qualität auf irgendeinem Gebiet zu Nachteilen geführt hätte.

Das war nur möglich, weil zum einen die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen trotz räumlicher Distanz eine innerliche Nähe zu „ihrer“ ENTEGA haben und sich für die Themen engagieren, die uns wichtig sind: den Ausbau der alternativen Energien und die Zuverlässigkeit unserer Dienstleistungen.

Dafür spreche ich allen Mitarbeitenden im Namen des gesamten Vorstands meinen Dank aus. Ich habe vor dieser Leistung höchsten Respekt! Zum anderen hat sich die ENTEGA Tochter-Gesellschaft COUNT+CARE in der Krise als wirksame Waffe erwiesen: In Rekordzeit sorgten die IT-Experten dafür, dass die ENTEGA-Belegschaft mit Laptops und anderen Digitalgeräten ausgestattet wurden, um auch von zu Hause aus arbeiten zu können.

Und auch unsere Kunden haben dem Konzept der Nähe im Pandemiejahr die Treue gehalten: Trotz stetig wachsender Konkurrenz insbesondere auf dem Strommarkt haben wir im zurückliegenden Jahr keine Kunden verloren. Im Grundsatz gilt dabei nach wie vor: Wer in Südhessen lebt, wohnt und arbeitet, will seinen Strom nicht in Berlin oder München kaufen. Er oder sie vertraut stattdessen dem Anbieter, der in der Nähe ist. Und der zum Beispiel auch dann Handlungsfähigkeit sichert, wenn der Strom einmal ausfällt: mit dem 450 MHz-Funknetz, das im Notfall eine reibungslose Kommunikation z.B. für Rettungsdienste gewährleistet. Pluspunkte wie diese sind es, die ein Unternehmen der Nähe wie ENTEGA zum glaubwürdigen Partner der Bürger machen. Auch wenn es um andere Dienstleistungen als die Versorgung mit Strom und Wärme geht.

So haben wir allein im Großraum Südhessen mit der weiteren Verlegung von Glasfaserkabeln einen entscheidenden Beitrag für die „digitale Nähe“ geleistet: Deutlich über 2.000 Kilometer Glasfaser sind inzwischen verlegt – nahezu die Hälfte des gesamten Leitungsnetzes in der Region. Allein in den Gemeinden Schaafheim und Modautal gingen 2020 über 6.000 Haushalte ans Glasfasernetz. Sie alle finden künftig mit Top-Tempo Anschluss an die digitale Welt. Schließlich ist die Geschwindigkeit der Datenübertragung im Glasfasernetz um bis zu viermal höher als bei herkömmlichen Leitungen – ein technischer Fortschritt, der sich nicht nur beim Streamen von Videos bemerkbar macht, sondern auch bei digitalen Meetings und natürlich bei industriellen Anwendungen, die schon heute auf ein leistungsfähiges Internet der Dinge angewiesen sind. So hilft ENTEGA mit, in puncto Infrastruktur die Basis für eine erfolgreiche Zukunft zu schaffen – und investiert dementsprechend in den eigenen Fortschritt. Allein 1,2 Millionen Euro wurden für Investitionstätigkeiten verwendet.

Nähe war schließlich auch das Leitmotiv einer wegweisenden Entwicklung in der Kooperation mit den Kommunen unserer Region: Unter dem Stichwort „kommunale Beteiligung“ haben wir 2020 die traditionell engen Beziehungen zwischen ENTEGA und den Kommunen weiter gestärkt. Sie können sich jetzt an den ENTEGA-Netzen für Strom und Gas aktiv beteiligen, inklusive Stimm- und Mitspracherecht sowie einer attraktiven, garantierten Dividende, die zur nachhaltigen Entlastung des kommunalen Haushalts beiträgt.

Diese Nähe zueinander hat sich bewährt und trug auch im Krisenjahr 2020 zu einem stabilen Ergebnis bei: Das Konzernergebnis vor Zinsen und Steuern lag bei 80,8 Millionen Euro – nur 0,3 Millionen Euro weniger als 2019. Unter dem Strich aber hat ENTEGA einen Jahresüberschuss in Höhe von 28,3 Millionen Euro erwirtschaftet gegenüber dem Vorjahresergebnis von 28 Millionen Euro. Das alles zeigt: Das Konzept der Nähe macht sich bezahlt. Für das Unternehmen – und für die Menschen in der Region. Denn vor dem Hintergrund unseres wirtschaftlichen Erfolgs konnten wir neben dem Kerngeschäft auch 2020 wieder umfangreiche Hilfe für gemeinwohlorientierte Projekte leisten, die von Bürger für ihre Mitmenschen initiiert wurden. Besonders wurden Projekte unterstützt, die gerade unter Pandemie-Bedingungen wichtig waren für den Zusammenhalt in der Region – vom Nachwuchs des SV Darmstadt 98 über Wildblumenwiesen bis zu Weihnachtsgeschenken für Einrichtungen der Jugendhilfe. Und auch im eigenen Unternehmen bleiben wir dem Konzept der Nähe treu: 117 junge Menschen haben bei uns einen Ausbildungsplatz vorwiegend in direkter Nachbarschaft zu ihren Wohnorten gefunden. Einen erfolgreichen Abschluss vorausgesetzt, bieten wir ihnen allen nach dem Ende ihrer Ausbildung die Übernahme in eine Festanstellung an – auch das ist ein Beitrag zu mehr Sicherheit und Zukunftsoptimismus. Gerade in historischen Zeiten!

Unterschrift Dr. Marie-Luise Wolff

Dr. Marie-Luise Wolf

Vorsitzende des Vorstandes